Betriebshaftpflicht für Allroundhandwerker: Der Fehler, der im Schadenfall richtig teuer werden kann
Ein Allroundhandwerker bohrt eine Wand an.
Eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag.
Doch hinter der Wand verläuft eine Wasserleitung.
Innerhalb weniger Minuten tritt Wasser aus, durchfeuchtet Wände, beschädigt Fußböden und läuft bis in die darunterliegende Etage. Am Ende steht eine Sanierung an, die mehrere Wochen dauern und Schäden von mehreren zehntausend Euro verursachen kann.
Die entscheidende Frage lautet dabei nicht:
„Hat der Handwerker eine Betriebshaftpflichtversicherung?“
Die entscheidende Frage lautet:
„War die ausgeübte Tätigkeit überhaupt versichert?“
Genau an diesem Punkt beginnt eines der größten Probleme vieler Allroundhandwerker, Hausmeisterdienste und Gebäudeservices.
In meiner Arbeit als Versicherungsmakler und Risikomanager erlebe ich immer wieder, dass Unternehmer überzeugt sind, gut abgesichert zu sein.
Die Überraschung kommt häufig erst im Schadenfall.
Dann stellt sich heraus, dass nicht die Versicherungssumme das eigentliche Problem ist, sondern die Frage, ob die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit überhaupt versichert wurde.
Genau deshalb beginne ich bei Unternehmern nicht mit Produkten oder Preisen, sondern mit der Analyse der Risiken.
Warum viele Allroundhandwerker falsch versichert sind
Viele Unternehmer konzentrieren sich bei der Auswahl einer Betriebshaftpflichtversicherung vor allem auf den Beitrag.
Das ist verständlich.
Schließlich möchte niemand unnötig viel bezahlen.
Das eigentliche Risiko liegt jedoch häufig ganz woanders.
Denn die beste Versicherung hilft wenig, wenn die ausgeübten Tätigkeiten nicht korrekt angegeben wurden.
Dabei entstehen die Probleme oft schleichend.
Der Betrieb startet beispielsweise als klassischer Hausmeisterservice.
Mit der Zeit kommen neue Kunden hinzu.
Neue Aufträge entstehen.
Zusätzliche Tätigkeiten werden übernommen.
Plötzlich werden Leistungen erbracht, die ursprünglich nie versichert wurden oder zumindest hätten geprüft werden müssen.
Viele Unternehmer bemerken das erst, wenn der erste größere Schaden eingetreten ist.
Was zählt überhaupt zu einem Allroundhandwerker?
Der Begriff „Allroundhandwerker“ umfasst heute eine Vielzahl unterschiedlicher Tätigkeiten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Hausmeisterservice
- Hausmeisterdienst
- Objektbetreuung
- Gebäudeservice
- Kleinreparaturen
- Renovierungsarbeiten
- Malerarbeiten
- Trockenbauarbeiten
- Montagearbeiten
- Möbelmontage
- Küchenmontage
- Bodenbelagsarbeiten
- Laminatverlegung
- Vinylverlegung
- Gartenpflege
- Winterdienst
- Zaunmontage
- Carport-Montage
- Gartenhaus-Montage
- Entrümpelungen
- Kleintransporte
- Instandhaltungsarbeiten
Typische Suchbegriffe für diese Tätigkeiten sind:
- Hausmeisterservice
- Hausmeisterdienst
- Gebäudeservice
- Objektservice
- Objektbetreuung
- Kleinreparaturservice
- Montageservice
- Renovierungsservice
- Allroundservice
- Handwerkerservice
Je breiter ein Unternehmen aufgestellt ist, desto wichtiger wird die korrekte Prüfung der Tätigkeiten.
Das Unternehmen entwickelt sich weiter – die Versicherung oft nicht
Viele Betriebe starten mit wenigen Leistungen.
Einige Jahre später sieht die Realität völlig anders aus.
Aus einem klassischen Hausmeisterservice wird ein umfangreicher Gebäudeservice.
Zu den ursprünglichen Tätigkeiten kommen Renovierungsarbeiten, Montagearbeiten, Trockenbau, Gartenpflege oder kleinere Sanierungen hinzu.
Das Problem:
Die Versicherung wurde häufig nie an diese Entwicklung angepasst.
Viele Unternehmer gehen davon aus, dass automatisch alles mitversichert ist, was sie im Laufe der Zeit zusätzlich anbieten.
Genau hier entstehen später häufig Schwierigkeiten.
Deshalb sollte die Tätigkeitsbeschreibung regelmäßig überprüft werden.
Der teuerste Fehler kostet keinen Beitrag – sondern Versicherungsschutz
Viele Unternehmer stellen sich die Frage:
„Was kostet eine Betriebshaftpflicht?“
Die wichtigere Frage lautet jedoch:
„Was passiert, wenn meine Tätigkeiten nicht richtig versichert sind?“
Ein typisches Beispiel:
Ein Unternehmer meldet einen Hausmeisterservice an.
Mit der Zeit übernimmt er zusätzlich Renovierungsarbeiten, kleinere Trockenbauarbeiten oder verschiedene Montageleistungen.
Die Versicherung wurde jedoch nie angepasst.
Kommt es nun zu einem Schaden, wird geprüft, welche Tätigkeit tatsächlich ausgeübt wurde.
Genau deshalb ist die Tätigkeitsbeschreibung oft wichtiger als der eigentliche Beitrag.
Die größte Gefahr ist nicht eine etwas höhere Versicherungsprämie.
Die größte Gefahr besteht darin, erst im Schadenfall festzustellen, dass die tatsächliche Tätigkeit nie sauber geprüft wurde.
Welche Tätigkeiten sollten besonders geprüft werden?
Einige Tätigkeiten werden von vielen Versicherern besonders genau betrachtet und müssen häufig gesondert geprüft oder ausdrücklich eingeschlossen werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Dachdeckerarbeiten
- Abbrucharbeiten
- Tiefbauarbeiten
- Baggerarbeiten
- Rohr- und Kanalreinigung
- Leckortung
- Heizungsinstallationen
- Sanitärinstallationen
- Gasinstallationen
- Lüftungsanlagen
- Klimaanlagen
- Photovoltaikanlagen
- Solaranlagen
- Fassadenabdichtungen
- Bautenschutzarbeiten
Wer solche Tätigkeiten ausführt oder künftig anbieten möchte, sollte seinen Versicherungsschutz unbedingt regelmäßig überprüfen lassen.
Die größten Schäden entstehen oft bei Routinearbeiten
Viele Unternehmer denken bei Schäden sofort an spektakuläre Großereignisse.
Die Realität sieht häufig anders aus.
Die meisten Schäden entstehen bei alltäglichen Arbeiten.
Beschädigung einer Wasserleitung
Beim Bohren einer Wand wird versehentlich eine Wasserleitung getroffen.
Die Folge:
- Wasserschäden
- Trocknungskosten
- Wiederherstellungskosten
- Nutzungsausfall
Beschädigung einer Stromleitung
Während Renovierungsarbeiten wird eine Stromleitung angebohrt.
Neben den Reparaturkosten können weitere Folgeschäden entstehen.
Kunde stolpert über Werkzeug
Material oder Werkzeug wird kurzfristig abgestellt.
Ein Besucher oder Kunde stürzt und verletzt sich.
Gerade Personenschäden können schnell hohe Kosten verursachen.
Beschädigung einer Fußbodenheizung
Beim Verlegen eines neuen Bodens wird die darunterliegende Fußbodenheizung beschädigt.
Die eigentliche Reparatur ist dabei oft nicht das größte Problem.
Viel teurer wird häufig die Wiederherstellung des gesamten Bodenaufbaus.
Verlust eines Generalschlüssels
Geht ein Generalschlüssel verloren, kann der Austausch einer kompletten Schließanlage erforderlich werden.
Auch solche Schäden werden häufig unterschätzt.
Besonders bei Hausmeisterdiensten kommt dieser Schaden häufiger vor, als viele Unternehmer vermuten.
Obwohl lediglich ein Schlüssel verloren wurde, können schnell Kosten von mehreren tausend Euro entstehen.
Warum Mängelbeseitigungsnebenkosten oft teurer sind als der eigentliche Schaden
Ein besonders unterschätztes Thema sind Mängelbeseitigungsnebenkosten.
Viele Unternehmer denken zunächst nur an die eigentliche Nachbesserung.
Die Realität sieht jedoch häufig anders aus.
Ein Beispiel:
Ein Rohr wird fehlerhaft installiert.
Um den Fehler zu finden, müssen später:
- Wände geöffnet werden
- Fliesen entfernt werden
- Leitungen freigelegt werden
- Bodenbeläge aufgenommen werden
Erst danach kann die eigentliche Reparatur erfolgen.
Anschließend müssen sämtliche Bereiche wiederhergestellt werden.
Die Kosten für Freilegung, Fehlersuche und Wiederherstellung sind häufig deutlich höher als die eigentliche Reparatur.
Genau deshalb sollte bei einer Betriebshaftpflichtversicherung niemals nur auf den Beitrag geschaut werden.
Unternehmer kaufen keine Versicherung – sie kaufen Zeit
Viele Unternehmer glauben, der eigentliche Schaden sei das größte Problem.
In der Praxis beginnt die Belastung häufig erst danach.
Kunden warten auf die Fertigstellung.
Rechnungen laufen weiter.
Mitarbeiter möchten bezahlt werden.
Termine müssen verschoben werden.
Reklamationen häufen sich.
Der Unternehmer muss sich plötzlich mit Gutachtern, Anwälten, Handwerkern und Versicherern beschäftigen.
Deshalb geht es nicht nur um die Regulierung eines Schadens.
Es geht darum, dass sich der Unternehmer weiterhin auf sein Geschäft konzentrieren kann.
Eine gute Betriebshaftpflicht kauft deshalb nicht nur finanziellen Schutz.
Sie kauft Zeit.
Warum ich grundsätzlich mindestens 10 Millionen Euro Deckungssumme empfehle
Viele ältere Verträge enthalten noch deutlich niedrigere Versicherungssummen.
Aus meiner Sicht sollte eine moderne Betriebshaftpflichtversicherung heute mindestens 10 Millionen Euro Deckungssumme für Personen-, Sach- und Vermögensschäden enthalten.
Der Unterschied im Beitrag ist häufig überschaubar.
Der Unterschied im Schadenfall kann dagegen existenzentscheidend sein.
Gerade Personenschäden können sehr schnell hohe Summen erreichen.
Spezialkonzepte statt Standardlösungen
Nicht jeder Allroundhandwerker arbeitet gleich.
Nicht jeder Hausmeisterdienst hat dieselben Risiken.
Deshalb gibt es heute Spezialkonzepte, die deutlich besser auf bestimmte Tätigkeitsbereiche zugeschnitten sind als viele Standardlösungen.
Entscheidend ist dabei nicht der Name des Versicherers.
Entscheidend ist, dass die tatsächlich ausgeübten Tätigkeiten sauber geprüft und korrekt versichert werden.
Warum eine Risikoanalyse nach DIN 77235 sinnvoll sein kann
Viele Unternehmer wissen gar nicht genau, welche Risiken sie tatsächlich tragen.
Genau deshalb reicht es aus meiner Sicht nicht aus, lediglich einzelne Versicherungen miteinander zu vergleichen.
Als zertifizierter Berater nach DIN 77235 betrachte ich Unternehmen nicht ausschließlich aus Sicht eines Versicherungsvertrages, sondern aus Sicht der gesamten Unternehmensrisiken.
Dabei wird geprüft:
- Welche Risiken die Existenz des Unternehmens gefährden können
- Welche Haftungsfallen vorhanden sind
- Welche Tätigkeiten tatsächlich ausgeübt werden
- Ob der bestehende Versicherungsschutz noch zur aktuellen Unternehmensentwicklung passt
Gerade bei Allroundhandwerkern und Hausmeisterdiensten verändert sich das Tätigkeitsfeld häufig über die Jahre.
Genau deshalb sollte der Versicherungsschutz regelmäßig überprüft werden.
Ziel ist nicht der günstigste Vertrag.
Ziel ist ein Versicherungsschutz, der im Ernstfall auch tatsächlich funktioniert.
Fazit
Die meisten Unternehmer melden sich erst nach einem Schaden.
Dann geht es häufig um die Frage, ob der bestehende Vertrag überhaupt leistet.
Sinnvoller ist es, diese Frage bereits vorher zu klären.
Denn eine Betriebshaftpflicht soll nicht nur auf dem Papier existieren.
Sie soll genau dann funktionieren, wenn Dein Unternehmen sie wirklich braucht.
Gerade bei Allroundhandwerkern und Hausmeisterdiensten entscheidet oft nicht der Beitrag über die Qualität des Versicherungsschutzes.
Entscheidend ist, ob die tatsächlich ausgeübten Tätigkeiten sauber geprüft, dokumentiert und versichert wurden.
Wer dies regelmäßig überprüft, reduziert nicht nur sein Haftungsrisiko, sondern schützt auch die Zukunft seines Unternehmens.
FAQ
Ja. Bereits kleine Fehler können hohe Sach- oder Personenschäden verursachen.
Nein. Bestimmte Tätigkeiten müssen häufig gesondert geprüft oder ausdrücklich eingeschlossen werden.
Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist, ob die tatsächlichen Tätigkeiten korrekt versichert sind.
Ich empfehle grundsätzlich mindestens 10 Millionen Euro für Personen-, Sach- und Vermögensschäden.
Weil sich viele Betriebe weiterentwickeln und neue Leistungen anbieten.
Ja. Deshalb sollte regelmäßig geprüft werden, ob der bestehende Versicherungsschutz noch zu den tatsächlich ausgeübten Tätigkeiten passt.
Dein Ansprechpartner
Als unabhängiger Versicherungsmakler und Risikomanager unterstütze ich Allround-Handwerker, Hausmeisterdienste und Handwerksbetriebe bei der Analyse ihrer Risiken und der Überprüfung ihres Versicherungsschutzes.
Dabei geht es nicht um den günstigsten Beitrag.
Es geht darum, dass die Risiken Deines Unternehmens im Ernstfall wirklich abgesichert sind.
Über eine kurze Kontaktaufnahme freue ich mich. Gemeinsam prüfen wir, ob Deine Tätigkeiten tatsächlich so versichert sind, wie Du es erwartest.
