Wenn plötzlich die Familie wichtiger ist als der Terminkalender
Es ist Mittwochmorgen.
6:42 Uhr.
Anna steht in der Küche.
Der Kaffee läuft durch die Maschine, auf dem Küchentisch liegt ihr Handy und daneben ihr geöffneter Kalender.
9:00 Uhr – Teammeeting.
11:30 Uhr – Kundentermin.
14:00 Uhr – Projektbesprechung.
Ein ganz normaler Mittwoch.
Eigentlich.
Aus dem Kinderzimmer hört Anna leise Schritte.
Lisa steht in der Tür.
Die Haare zerzaust.
Der rechte Arm im Gips.
Gestern war sie noch in der Schule von der Kletterwand gestürzt.
Ein gebrochener Unterarm.
Zum Glück nichts Kompliziertes.
Anna schaut ihre Tochter an.
„Na, wie geht es Dir?“
Lisa zuckt mit den Schultern.
„Tut weh.“
Anna geht zu ihr und nimmt sie vorsichtig in den Arm.
Dann kommt dieser eine Satz.
„Mama, bleibst Du heute bei mir?“
Anna schaut kurz auf den Küchentisch.
Auf ihren Kalender.
Auf ihr Handy.
Und wieder zu Lisa.
„Ja. Ich bleibe heute bei Dir.“
Ein Termin ist schnell abgesagt
Anna schreibt ihrem Kollegen.
Das Teammeeting wird verschoben.
Den Kundentermin übernimmt jemand anderes.
Bei der Projektbesprechung versucht sie, sich später telefonisch dazuzuschalten.
Irgendwie geht das schon.
Es ist schließlich nur ein Tag.
Lisa liegt auf der Couch.
Anna bringt ihr etwas zu trinken.
Hilft ihr beim Anziehen.
Schneidet das Frühstück klein.
Zwischendurch beantwortet sie E-Mails.
Das Handy klingelt.
„Mama?“
Anna legt das Handy weg.
„Ja, Schatz.“
So geht es den ganzen Vormittag.
Arbeiten.
Mama sein.
Wieder arbeiten.
Wieder Mama sein.
Am Nachmittag schreibt Ben:
„Alles okay bei Euch?“
Anna antwortet:
„Ja. Alles gut. Ich komme nur zu nichts.“
Ben schickt ein Herz.
Ein ganz normaler Mittwoch.
Heute ist es nur ein Tag
Und genau das ist der Punkt.
Heute bleibt Anna einen Tag zu Hause.
Ein paar Termine werden verschoben.
Ein Kollege springt ein.
Die Arbeit bleibt vielleicht einen Tag liegen.
Das lässt sich irgendwie auffangen.
Aber was wäre, wenn Anna nicht nur einen Tag ausfallen würde?
Was wäre, wenn sie selbst krank wird?
Sechs Wochen.
Drei Monate.
Ein Jahr.
Oder vielleicht für einen längeren Zeitraum ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann?
Dann geht es plötzlich nicht mehr um einen verschobenen Kundentermin.
Dann geht es um etwas ganz anderes.
Um das Einkommen der Familie.
Das größte Vermögen vieler Familien steht auf keinem Konto
Wenn wir über Vermögen sprechen, denken viele Menschen zuerst an Geld.
Das Girokonto.
Das Depot.
Die Immobilie.
Vielleicht die Altersvorsorge.
Aber das größte Vermögen vieler Familien taucht auf keinem Kontoauszug auf.
Es steht jeden Morgen auf, trinkt einen Kaffee und geht zur Arbeit.
Die eigene Arbeitskraft.
Nehmen wir nur ein einfaches Beispiel.
Ein 35-jähriger Mensch verdient 3.000 Euro netto im Monat und arbeitet bis zum 67. Lebensjahr.
Ohne Gehaltssteigerungen.
Ohne Karriereentwicklung.
Ohne Inflation.
Dann sprechen wir über mehr als 1,1 Millionen Euro zukünftiges Nettoeinkommen.
Natürlich ist diese Rechnung stark vereinfacht.
Aber sie zeigt etwas sehr deutlich:
Deine Arbeitskraft ist ein erheblicher finanzieller Vermögenswert.
Und bei Familien hängt an diesem Einkommen häufig deutlich mehr als nur der eigene Lebensstandard.
Das Einkommen bezahlt das Familienleben
Miete oder Immobilienfinanzierung.
Lebensmittel.
Strom.
Auto.
Urlaub.
Freizeit.
Versicherungen.
Die Sparrate.
Die Altersvorsorge.
Vielleicht die Vorsorge für die Kinder.
All diese Dinge werden Monat für Monat aus dem laufenden Einkommen bezahlt.
Und genau deshalb betrachte ich bei Familien nicht nur einzelne Versicherungsverträge.
Ich stelle eine andere Frage:
Was passiert mit den laufenden Ausgaben, wenn das Einkommen plötzlich fehlt?
Einen Monat kann man vielleicht überbrücken.
Vielleicht auch drei Monate.
Aber wie lange funktioniert die finanzielle Planung einer Familie wirklich?
Krank sein und berufsunfähig sein sind zwei unterschiedliche Dinge
Hier werden in Gesprächen häufig verschiedene Risiken miteinander vermischt.
Wenn Du vorübergehend arbeitsunfähig bist, kann nach der Lohnfortzahlung eine Einkommenslücke entstehen.
Je nach persönlicher Situation kann ein Krankentagegeld dabei eine Rolle spielen.
Eine Berufsunfähigkeit ist etwas anderes.
Hier geht es vereinfacht gesagt darum, dass Du Deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich für einen längeren Zeitraum nicht mehr in dem bisherigen Umfang ausüben kannst.
Die konkrete Definition richtet sich immer nach den jeweiligen Versicherungsbedingungen.
Dann sprechen wir nicht mehr über einige Tage zu Hause.
Dann kann es um Monate oder Jahre gehen.
Genau deshalb gehören für mich Krankentagegeld und Arbeitskraftabsicherung zu unterschiedlichen Teilen derselben Frage:
Wie sichern wir die laufenden Ausgaben einer Familie ab, wenn das Einkommen nicht mehr wie geplant fließt?
Muss es immer eine Berufsunfähigkeitsversicherung sein?
Nein.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist für viele Menschen eine sehr leistungsstarke Form der Arbeitskraftabsicherung.
Aber nicht jeder bekommt eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Vorerkrankungen können eine Rolle spielen.
Der ausgeübte Beruf kann den Beitrag beeinflussen.
Und manchmal passt eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung schlicht nicht zur persönlichen Situation.
Deshalb können je nach Ausgangslage auch alternative Formen der Arbeitskraftabsicherung geprüft werden.
Entscheidend ist nicht, irgendeine Versicherung abzuschließen.
Entscheidend ist die Frage:
Welches finanzielle Risiko besteht – und welche Lösung passt zu Deiner Situation?
Lisa liegt noch immer auf der Couch
Der Arm im Gips.
Zum Glück wird dieser Unfall wahrscheinlich nach einigen Wochen nur noch eine Erinnerung sein.
Aber der gestrige Unfall hat Anna und Ben etwas anderes gezeigt.
Wie abhängig der Alltag ihrer Familie davon ist, dass sie selbst funktionieren.
Heute konnte Anna zu Hause bleiben.
Ein Tag.
Ein Kollege springt ein.
Termine werden verschoben.
Das funktioniert.
Aber was wäre eigentlich, wenn Anna selbst diejenige wäre, die plötzlich ausfällt?
Nicht einen Tag.
Sondern für Monate.
Diese Frage stellt sich im normalen Familienalltag kaum jemand.
Warum auch?
Morgens müssen die Kinder fertig werden.
Die Arbeit wartet.
Der Einkauf muss erledigt werden.
Abends ist man froh, wenn irgendwann Ruhe ist.
Über den möglichen Verlust der eigenen Arbeitskraft denkt niemand gerne nach.
Trotzdem hängt genau daran häufig die komplette finanzielle Planung einer Familie.
Arbeitskraftabsicherung beginnt nicht mit einer Versicherung
Wenn ich mit Kunden über die Absicherung ihrer Arbeitskraft spreche, beginne ich deshalb nicht mit einem Tarif.
Ich beginne mit den Ausgaben.
Wie hoch sind die monatlichen Kosten?
Welche Ausgaben müssen zwingend weiterlaufen?
Welches Einkommen steht im Haushalt zur Verfügung?
Wie lange könnten Rücklagen einen Einkommensausfall auffangen?
Welche gesetzliche oder bestehende Absicherung gibt es bereits?
Und erst danach stellt sich die Frage:
Gibt es eine Versorgungslücke?
Genau diese Logik ist auch Bestandteil einer strukturierten Betrachtung nach der DIN 77230.
Denn bevor wir über ein Produkt sprechen, sollten wir zuerst wissen:
Welches Problem wollen wir eigentlich lösen?
Am Abend ist der Laptop noch immer geöffnet
Ben kommt nach Hause.
Lisa schläft auf der Couch.
Der Gipsarm liegt auf einem Kissen.
Anna sitzt am Küchentisch.
Vor ihr steht eine kalte Tasse Kaffee.
Der Laptop ist noch geöffnet.
„Und?“, fragt Ben.
Anna schaut auf den Bildschirm.
Dann zu Lisa.
„Ich habe heute gefühlt nichts geschafft.“
Ben zieht seine Jacke aus.
„Du hast Dich um Lisa gekümmert.“
Anna nickt.
„Ich weiß.“
Sie klappt den Laptop zu.
Morgen wird Anna wahrscheinlich wieder arbeiten.
Der Kalender wird wieder voll sein.
Die Termine werden nachgeholt.
Und der ganz normale Familienalltag geht weiter.
So soll es auch sein.
Aber vielleicht bleibt von diesem Mittwoch eine Frage:
Was würde eigentlich passieren, wenn nicht Lisa ausfällt – sondern ich?
Ein ganz normaler Mittwoch
Gestern ist Lisa von einer Kletterwand gefallen.
Heute ist Anna bei ihrer Tochter geblieben.
Morgen?
Morgen ist wahrscheinlich wieder ein ganz normaler Tag.
Zumindest hoffen wir das.
Du musst nicht jeden Morgen darüber nachdenken, was passiert, wenn Dein Einkommen ausfällt.
Aber einmal solltest Du die Antwort geprüft haben.
Denn Dein Einkommen bezahlt nicht nur Rechnungen.
Es finanziert Dein Leben.
Und häufig das Leben Deiner ganzen Familie.
Häufige Fragen zur Arbeitskraftabsicherung
Unter Arbeitskraftabsicherung versteht man verschiedene Möglichkeiten, die finanziellen Folgen eines längerfristigen oder dauerhaften Verlustes der eigenen Arbeitskraft abzusichern. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von der persönlichen, beruflichen und finanziellen Situation ab.
Wenn eine Familie auf ein oder zwei laufende Einkommen angewiesen ist, kann ein längerfristiger Einkommensausfall erhebliche finanzielle Folgen haben. Ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung die passende Lösung ist, sollte individuell anhand des bestehenden Bedarfs und der persönlichen Situation geprüft werden.
Ein Krankentagegeld kann eine Einkommenslücke bei einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit ausgleichen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist dagegen auf eine längerfristige gesundheitliche Beeinträchtigung der beruflichen Tätigkeit ausgerichtet. Die konkrete Leistung richtet sich nach den jeweiligen Versicherungsbedingungen.
Je nach persönlicher Situation können alternative Formen der Arbeitskraftabsicherung geprüft werden. Welche Lösung infrage kommt, hängt unter anderem vom Beruf, Gesundheitszustand, bestehenden Versicherungsschutz und der finanziellen Versorgungslücke ab.
Die Höhe sollte sich nicht pauschal an einem beliebigen Prozentsatz des Einkommens orientieren. Entscheidend sind die laufenden Ausgaben, bestehende Ansprüche, vorhandene Rücklagen und die individuelle finanzielle Situation.
Die DIN 77230 betrachtet finanzielle Risiken eines Privathaushaltes strukturiert und in einer definierten Reihenfolge. Dabei kann auch geprüft werden, welche finanziellen Folgen ein Einkommensausfall für den Haushalt hat und welcher Absicherungsbedarf besteht.
