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Versorgungsausgleich nach der Scheidung

Muss die Standardlösung wirklich die beste Lösung sein?

Eine Scheidung verändert vieles.

Neben den emotionalen Belastungen müssen oft auch wichtige finanzielle Entscheidungen getroffen werden. Dabei geraten Themen wie die Altersvorsorge häufig in den Hintergrund.

Genau dort kann jedoch ein Fehler entstehen, der sich erst viele Jahre später bemerkbar macht.

Viele Menschen erhalten nach einer Scheidung einen Versorgungsausgleich und gehen davon aus:

„Das Gericht hat alles geregelt. Damit wird das schon passen.“

Doch genau an diesem Punkt lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Denn das Familiengericht entscheidet über die rechtliche Durchführung des Versorgungsausgleichs – nicht zwangsläufig darüber, welche Lösung langfristig am besten zu Deiner persönlichen Ruhestandsplanung passt.


Die entscheidende Frage

Wenn das Familiengericht oder ein Versorgungsträger im Rahmen des Versorgungsausgleichs eine Lösung vorschlägt, stellen viele Menschen dieselbe Frage:

Muss ich diese Lösung einfach akzeptieren oder lohnt sich eine unabhängige Prüfung?

Genau diese Frage steht im Mittelpunkt dieses Beitrags.

Denn die rechtliche Durchführung eines Versorgungsausgleichs und die Frage, welche Lösung langfristig am besten zur eigenen Altersvorsorge passt, sind nicht immer dasselbe.


Was ist ein Versorgungsausgleich?

Der Versorgungsausgleich sorgt dafür, dass die während einer Ehe erworbenen Rentenansprüche zwischen beiden Ehepartnern fair aufgeteilt werden.

Betroffen sein können unter anderem:

  • Gesetzliche Rentenversicherung
  • Betriebliche Altersversorgung (bAV)
  • Direktversicherungen
  • Pensionskassen
  • Unterstützungskassen
  • Private Rentenversicherungen

Der ausgleichsberechtigte Ehepartner erhält dadurch eigene Rentenansprüche für die Zukunft.

Das Ziel ist eine gerechte Verteilung der während der Ehe aufgebauten Altersvorsorge.


Warum wurde die Versorgungsausgleichskasse gegründet?

Für bestimmte Versorgungsausgleiche wurde die Versorgungsausgleichskasse geschaffen.

Sie dient als anerkannte Zielversorgung und erfüllt die gesetzlichen Anforderungen des Versorgungsausgleichsgesetzes.

Viele Gerichte und Versorgungsträger nutzen diese Lösung deshalb regelmäßig.

Für die meisten Menschen ist die Versorgungsausgleichskasse daher die erste Lösung, mit der sie nach einer Scheidung in Berührung kommen.

Wichtig zu wissen:

Die Versorgungsausgleichskasse erfüllt eine wichtige Aufgabe und ist für viele Menschen eine sinnvolle Lösung.

Doch wie bei jeder anderen Altersvorsorge stellt sich die Frage:

Ist sie in meinem persönlichen Fall auch die passende Lösung?


Warum dieses Thema so wichtig ist

Viele Menschen gehen nach einer Scheidung davon aus, dass ihre Altersvorsorge bereits vollständig geregelt ist.

Die Realität sieht jedoch häufig anders aus.

Gerade Menschen, die während der Ehe beruflich zurückgesteckt haben, Kinder erzogen oder sich überwiegend um die Familie gekümmert haben, sind später oft stärker auf zusätzliche Rentenansprüche angewiesen.

Deshalb können Entscheidungen rund um den Versorgungsausgleich erhebliche Auswirkungen auf die finanzielle Sicherheit im Alter haben.

Dabei geht es nicht um wenige Monate.

Es geht häufig um 20, 25 oder sogar 30 Jahre Ruhestand.

Umso wichtiger ist es, die getroffenen Entscheidungen zu verstehen und gegebenenfalls prüfen zu lassen.


Nach der Scheidung beginnt oft ein neuer Lebensabschnitt

Nach einer Trennung beschäftigen sich die meisten Menschen zunächst mit anderen Dingen:

  • Wohnsituation
  • Vermögensaufteilung
  • Kinder
  • Finanzen
  • Neuorganisation des Alltags

Die Altersvorsorge landet häufig ganz hinten auf der Prioritätenliste.

Dabei können gerade die Entscheidungen rund um den Versorgungsausgleich Auswirkungen auf die finanzielle Situation im Ruhestand haben.

Deshalb lohnt es sich, dieses Thema nicht einfach abzuhaken, sondern bewusst zu prüfen.


Praxisbeispiel aus der Beratung

Eine Mandantin im Alter von 70 Jahren wandte sich nach ihrer Scheidung an mich.

Im Rahmen des Versorgungsausgleichs mussten verschiedene Altersvorsorgeansprüche aufgeteilt werden. Darunter befanden sich auch Ansprüche aus der betrieblichen Altersversorgung.

Wie in vielen vergleichbaren Fällen wurde zunächst die Versorgungsausgleichskasse als Zielversorgung vorgesehen.

Die Mandantin stellte daraufhin eine einfache Frage:

„Muss ich diese Lösung einfach übernehmen oder gibt es noch andere Möglichkeiten?“

Genau diese Frage wurde anschließend geprüft.

Im Rahmen einer unabhängigen Analyse wurde untersucht, ob eine alternative Zielversorgung über einen externen Versorgungsträger möglich ist und die gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden können.

Das Ergebnis war nicht, dass die vorgeschlagene Lösung falsch gewesen wäre.

Die Prüfung zeigte jedoch, dass es sinnvoll sein kann, mögliche Alternativen zu betrachten, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird.

Für die Mandantin wurde daraufhin eine alternative Lösung vorgestellt, die aktuell noch der abschließenden rechtlichen Prüfung unterliegt.

Dieses Beispiel zeigt deutlich:

Viele Menschen wissen gar nicht, dass es neben der zuerst vorgeschlagenen Lösung unter Umständen weitere Möglichkeiten geben kann.


Muss ich die vorgeschlagene Lösung einfach akzeptieren?

Die Antwort lautet:

Nicht unbedingt.

Jeder Fall ist anders.

Je nach Art der bestehenden Altersvorsorge, Versorgungsträger und rechtlichen Rahmenbedingungen können unterschiedliche Möglichkeiten bestehen.

Wichtig ist jedoch:

Nicht jede Alternative ist automatisch zulässig.

Eine mögliche Alternative muss:

  • die gesetzlichen Anforderungen erfüllen
  • vom Versorgungsträger akzeptiert werden
  • rechtlich zulässig sein
  • im jeweiligen Einzelfall geprüft werden

Genau deshalb sollte eine Entscheidung niemals ausschließlich auf Vermutungen oder Aussagen aus Internetforen beruhen.


Versorgungsausgleich ist kein Einzelthema

Aus meiner Sicht wird ein wichtiger Fehler häufig gemacht:

Der Versorgungsausgleich wird isoliert betrachtet.

Tatsächlich ist er jedoch nur ein Baustein der gesamten Ruhestandsplanung.

Erst wenn alle vorhandenen Ansprüche gemeinsam betrachtet werden, entsteht ein vollständiges Bild.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Gesetzliche Rentenansprüche
  • Betriebliche Altersvorsorge
  • Private Rentenversicherungen
  • Basisrenten
  • Sofortrenten
  • Versorgungsausgleiche

Erst dann lässt sich beurteilen, ob die spätere Versorgung tatsächlich ausreicht.


Ruhestandsplanung nach DIN statt Produktverkauf

In meiner Beratung steht deshalb nicht ein einzelnes Produkt im Mittelpunkt.

Der Fokus liegt auf einer einfachen, aber entscheidenden Frage:

Welche Einnahmen stehen später tatsächlich zur Verfügung und reichen diese aus, um die laufenden Ausgaben im Ruhestand dauerhaft zu decken?

Genau deshalb betrachte ich Versorgungsausgleiche niemals isoliert.

Sie sind ein Baustein einer umfassenden Ruhestandsplanung.

Im Rahmen einer Analyse nach den Grundsätzen der DIN-Norm für Finanzanalyse (DIN 77230 / DIN 77235) wird geprüft:

  • Welche Rentenansprüche bereits vorhanden sind
  • Welche Einnahmen später zur Verfügung stehen
  • Welche Versorgungslücken entstehen können
  • Welche Lösungen sinnvoll zusammenarbeiten
  • Ob die vorhandenen Ansprüche langfristig zur gewünschten Ruhestandsplanung passen

Ziel ist nicht der Verkauf eines bestimmten Produktes.

Ziel ist die lebenslange Ausgabensicherung, damit die finanziellen Verpflichtungen auch im Ruhestand dauerhaft erfüllt werden können.


Weitere Beiträge zur Ruhestandsplanung

Passend zu diesem Thema findest Du auf meiner Homepage weitere Beiträge:

Sofort beginnende Privatrente

Sofort beginnende Basisrente

Basisrente mit Einmalbeitrag

Basisrente mit regelmäßigen Einzahlungen

➡ Ruhestandsplanung nach DIN-Standard


Mein Fazit

Die Versorgungsausgleichskasse erfüllt eine wichtige Aufgabe und ist für viele Menschen eine sinnvolle Lösung.

Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick.

Gerade wenn größere Beträge betroffen sind oder noch viele Jahre bis zum Renteneintritt verbleiben, kann eine unabhängige Prüfung möglicher Alternativen sinnvoll sein.

Denn bei der Altersvorsorge geht es nicht um die schnellste Entscheidung.

Es geht darum, eine Entscheidung zu treffen, die Dich möglicherweise über Jahrzehnte begleitet.


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